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Bei den Dreharbeiten zu "Die Säulen der Erde"
Soldaten in Kettenpanzern reiten über eine Zugbrücke, Männer mit Kapuzen und schwarzen Umhängen schwingen Schwerter, auf dem Boden liegen die Opfer mit schmerzverzerrten Gesichtern: Das "Die Säulen der Erde"-Szenario auf Burg Kreuzenstein bei Wien ist an diesem Oktobertag wahrlich historisch - und ein bisschen irreal.
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APA (ORF/Tandem Productions GmbH) |
Als sich dann noch Nebelschwaden hinter den imposanten Türmen in den düsteren Himmel erheben, ist der Zeitsprung ins 12. Jahrhundert perfekt. Plötzlich findet man sich in Ken Folletts Roman wieder, zwischen Aliena, Jack Builder, Bischof Waleran Bigod, Prior Phillip und all den anderen Figuren des Weltbestsellers. Das Epos rund um den Bau einer Kathedrale gegen die Mächte des Bösen wird gerade zwischen Ungarn und Wien aufwendig verfilmt. Regie bei dem achtstündigen TV-Spektakel führt Sergio Mimica-Gezzan, der bei "Schindlers Liste" und "Der Soldat James Ryan" erster Regieassistent von Steven Spielberg war.
"Das Buch katapultiert den Leser ins 12. Jahrhundert, und dem wollten wir folgen. Jedes Detail, jeder Aspekt des damaligen Lebens wurde berücksichtigt", erzählt der Filmemacher mit den schwarzen Locken und der dunklen Brille. Als Mimica-Gezzan das Drehbuch in die Hände bekam, sei er dem Projekt gleich "verfallen", sagt er. Dass es sich um eine Produktion für das Fernsehen handelt, stört ihn dabei nicht im Geringsten: "TV ist für mich nicht anders als Kino, ich möchte nur, dass der Film überrascht."
In den Hauptrollen der deutsch-österreichisch-kanadischen Koproduktion sind neben Altmeister Donald Sutherland auch deutsche Stars wie Götz Otto ("James Bond - Der Morgen stirbt nie") und Natalia Wörner ("Durch Himmel und Hölle") zu sehen. Die Figur der "Hexe" Ellen empfindet Wörner als echte "Traumrolle". Überhaupt ist die gebürtige Stuttgarterin begeistert von den Dreharbeiten: "Ich freue mich jeden Tag aufs Drehen und es wird schwierig sein, sich von diesem Projekt zu verabschieden und zum Alltag zurückzukehren", sagt sie nachdenklich.
"Ich glaube nicht, dass es in Deutschland schon mal eine so aufwendige TV-Produktion gegeben hat", meint Götz Otto. Er sieht schmuck aus, spielt in seinem ledernen Mittelalter-Outfit aber einen Bösewicht: Der 42-Jährige verkörpert Walter, die rechte Hand des brutalen Lords William Hamleigh, der vom britischen Nachwuchsschauspieler David Oakes gespielt wird. Und der macht vor allem durch Morden und Vergewaltigung von sich Reden. "Es ist leicht, nett zu sein. Viel schwerer ist es, die Leute dazu zu bringen, Dich zu hassen", sagt Oakes über seine Rolle.
Insgesamt 112 Drehtage waren für die Mini-Serie angesetzt, die voraussichtlich Ende 2010 bei Sat.1 und im ORF zu sehen ist. Zunächst wurde im Sommer in Budapest gedreht, nun zog das Team nach Wien um. Auch Rola Bauer - Gründerin von Tandem Communications, die zusammen mit Scott Free, Muse Entertainment, Pro7Sat.1 und dem ORF die 40-Millionen-Dollar- Produktion finanziert - ist überzeugt, dass "Die Säulen der Erde" der größte Fernseh-Event des kommenden Jahrs sein wird. Dass Donald Sutherland als Graf Bartholomäus mit von der Partie ist, freut die gebürtige Kanadierin besonders, schließlich sind die beiden Landsleute.
Sutherland hatte Anfang der 80er Jahre bereits für die Ken-Follett-Verfilmung "Die Nadel" vor der Kamera gestanden - und wenn der Mann das Set betritt, dann spürt man Ehrfurcht. Das ganze Team ist stolz und froh, mit dem Superstar ("Die Jury") zusammenarbeiten zu dürfen. Tatsächlich geht Sutherland (74) mit einer Professionalität ans Werk, die nur durch jahrzehntelange Erfahrung zu erklären ist. "Als er hier ankam, hatte er sich schon seit Wochen seine Haare und seinen Bart wachsen lassen, er sah einfach perfekt für die Rolle aus", schwärmt Regisseur Mimica-Gezzan.
Ebenfalls dabei sind die Golden-Globe-Gewinner Ian McShane ("Der goldene Kompass") als Bischof Waleran Bigod sowie der Drehbuchautor John Pielmeier, der in der Rolle eines Mönchs beweist, dass er auch ein begabter Darsteller ist.
Auf Deutsch sind "Die Säulen der Erde" 1992 erschienen. Das Werk rund um die Ränkespiele der Mächtigen und Intrigen, um Liebe und Macht ist eines der bekanntesten Bücher in Deutschland. Folletts Fortsetzungsroman "Die Tore der Welt" ist erst im vergangenen Jahr in deutscher Sprache herausgekommen. Der Autor selbst ist begeistert von der atmosphärischen Verfilmung seines Meisterwerks - da scheint der Erfolg vorprogrammiert.
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